von Viktoria Balon (Kommentare: 2)

Über Unnötige Dinge

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Heidrun Walter |

Wenn ich die Artikel hier lese, dann beschleicht mich ein Gefühl, dass Migrant/innen in Deutschland primär negative Erfahrungen machen: Sie werden häufiger von der Polizei kontrolliert, sie werden auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt diskriminiert und sie erhalten offenbar kein Kindergeld. All diese Punkte möchte ich nicht schönreden, denn sie sind Realität und machen das Leben von Migrant/innen unnötig schwer. Wobei es mir als Deutsche dann aber schon aufstößt, wenn das Kindergeld als eine Taschengeld-Finanzspritze angesehen wird. Ich kenne keine deutsche Familie, die das Kindergeld an ihre im Haushalt lebenden Kinder ausbezahlt – das wäre auch gar nicht die Intention davon und geht an der finanziellen Realität auch von deutschen Familien völlig vorbei!
Mich beschleicht der Eindruck, als wenn die Welt der InMedien in „gute Migrant/innen“ und „weniger nette Deutsche“ eingeteilt wäre. Aber gibt es auch Migrant/innen, die hier positive Erfahrungen gemacht haben? Oder anders gefragt: Ist wirklich jede beschriebene Situation ein Missstand?
Was ist daran so schrecklich, wenn ich jemanden – der vielleicht rein äußerlich oder aufgrund eines Akzents – frage, wo er oder sie ursprünglich her kommt. Mag sein, dass es nervt, wenn man dies häufig gefragt wird. Aber auch ich habe einige Zeit im Ausland gelebt und wurde immer wieder gefragt, woher ich käme. Es hat mich zwar genervt, wenn meine Gegenüber mit Deutschland dann nur Porsche und Autobahn verbanden, um womöglich im nächsten Satz interessiert zu fragen, ob wir denn auch Strom hätten… Es hat mich aber nicht auf der Diskriminierungsebene genervt, sondern auf der Dummheitsebene. Dummheit oder Unwissenheit finde ich anstrengend. Schön und bereichernd fand ich aber, wenn Gespräche entstanden, die die verschiedenen gesellschaftlichen Systeme oder Denkweisen beleuchteten. Dadurch habe ich viel aus dem anderen Land erfahren und hoffe, dass ich auch den Horizont meiner Gesprächspartner/innen bereichern konnte. Nur im Gespräch können wir doch voneinander lernen und hoffentlich einander verstehen.
Cem Özdemir hat mal in einem Interview gesagt, dass für ihn als Kind Weihnachten ein großes Mysterium war. Als integrationswillige Familie gab es auch in seiner Familie einen geschmückten Weihnachtsbaum – aber eigentlich wussten sie gar nicht, was dann zu geschehen hatte. Er dachte Wunder was da bei den Deutschen unterm Weihnachtsbaum am Heiligen Abend wohl passieren müsse. Aber er hat wohl nie jemanden gefragt und so wuchsen seine Vorstellungen vom mysteriösen Weihnachten ins Unermessliche. Er war schon ein junger Erwachsener, als er endlich mal von einem deutschen Freund zu Weihnachten eingeladen wurde und dadurch das große Geheimnis gelüftet wurde. Vermutlich war es ziemlich desillusionierend.
Aber wäre es nicht schön, wenn wir uns mehr getrauen würden, einander zu fragen? Fragen, die dann nicht als Affront verstanden werden, sondern eher als Interesse!

Kommentar von Emma Levin |

Antwort auf das Kommentar von Frau Heidrun Walter
Ich lebe in Deutschland seit 14 Jahren und habe immer gute Erfahrungen mit den Einheimischen gemacht. Niemals fühlte ich mich diskriminiert und ich glaube nicht, dass mein ein Einzelfall ist. Sicher kommt es
darauf an, wem man begegnet. Ich hatte Glück, habe guten Menschen begegnet und habe viele deutsche Freunde. Aber ich habe auch immer aktiv und absichtlich den Kontakt zu Deutschen gesucht. Man muss diesen Kontakt auch wollen. Das wollen einige schon gar nicht. Und man muss bewusst sein, dass man Kontakt immer zu einzelnen Personen hat bzw. nimmt, niemals zu einer Gruppe. Es gibt nicht "die Deutschen" genau so wie es auch nicht "die Migranten" gibt, sondern immer nur Individuen und jedes Individuum ist eben anders. Wenn man das immer vor Augen halten würde, dann könnte man meines Erachtens auch die meisten Vorurteile vermeiden